Eine Mauer, wo für viele nur eine Kreisgrenze ist

13. August 2010 | Kategorien: Aktionen | drucken

von Linda Hellmann, Freies Wort, 13.08.2010

Zella-Mehlis/Suhl – Industriestraße zwischen Suhl und Zella-Mehlis: Die Autos fahren vorbei an Möbelhaus, Supermarkt, Baumarkt. Dabei passieren sie die Grenze zwischen dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen und der kreisfreien Stadt Suhl. Meist unbemerkt – zumindest für Hiesige.

Im Zella-Mehliser Teil der Industriestraße leben in einem Block Flüchtlinge – am Ortsausgang. Doch die Gemarkungsgrenze zu Suhl ist für sie tabu. Für Flüchtlinge im laufenden Asylverfahren und Geduldete gilt nämlich die Residenzpflicht. Das heißt, sie dürfen die Landkreise, in denen sie untergebracht sind, nicht verlassen. Dafür brauchen sie eine Erlaubnis – den “Urlaubsschein”. Wollten sie beim ein paar Meter entfernten Discounter einkaufen gehen, müssten sie dies erst bei der Ausländerbehörde des Landkreises Schmalkalden-Meiningen beantragen. Der Laden steht nämlich in Suhl.

Gestern war der Bürgersteig an der Industriestraße versperrt. Mitglieder des Flüchtlingsrats Thüringen e.V. haben Pappkartons zur Mauer aufgebaut. Auf Transparenten steht: “Bewegungsfreiheit gilt für alle”. Antje-Christin Büchner sagt: “Wir wollten die Grenze sichtbar machen und auf das Thema hinweisen.” Aus ihrer und der Sicht ihrer Mitstreiter widerspricht die Residenzpflicht dem Freiheitsrecht und muss weg.

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