Entweder Erlaubnis oder Fahrgeld – Suizidversuch wegen Schikane

1. April 2009 | Kategorien: Fälle | drucken

Nordrhein-Westfalen, Märkischer Kreis, Plettenberg
Quelle: Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum (Nachrecherche zu einer Falldokumentation des Flüchtlingsrates NRW)

Plettenberg: Am 22. Juli 2005 versucht ein 21-jähriger Iraner beim Besuch des Sozialamtes, sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern aufzuschneiden. Der junge Mann hat mehrfach eine Verlassensgestattung beantragt, um seine Schwester in Köln besuchen zu können. Die Anträge sind immer abgelehnt worden. Er fährt trotzdem, wird erwischt und angezeigt. Schließlich erhält er die Verlassenserlaubnis, allerdings gekoppelt daran, dass für die Zeit seiner Abwesenheit die sowieso reduzierte Sozialhilfe gestrichen wird. Damit hätte er kein Geld für das Zugticket mehr gehabt. In seiner Verzweiflung begeht er den Suizidversuch. Nach einer anschließenden Behandlung im Krankenhaus kann die ‘Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e. V.’ seine Umverteilung nach Köln und die Behandlung durch einen muttersprachlichen Facharzt erreichen.

Recherche: Beate Selders