Vom Opfer und Zeugen zum Angezeigten

1. April 2009 | Kategorien: Fälle | drucken

Sachsen-Anhalt, Magdeburg
Quelle: Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt in Magdeburg

Der heute 37-jährige Ingenieur Herr K. ist Jeside und wegen seiner Religionszugehörigkeit aus dem Irak geflohen. Inzwischen wurde Herr K. als Asylbewerber anerkannt, aber im August 2007 befand er sich noch im Verfahren und lebte im Sammellager in Magdeburg, das am Stadtrand liegt. Um in die Stadt zu gelangen, muss man ein Viertel durchqueren, in dem viele Rechte wohnen. Am 25. August 2007 wird er dort nachts an einer Bahnhaltestelle von einem Betrunkenen rassistisch angepöbelt und bedroht und wehrt sich dagegen. Der Angreifer holt daraufhin einen Hund, hetzt ihn auf Herrn K. und schlägt gleichzeitig mit einer brennenden Fackel auf ihn ein. Erst als zwei Frauen am Tatort erscheinen, lässt der Täter von Herrn K. ab und flüchtet. Herr K. muss mit diversen Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Drei Tage nach dem Überfall nimmt Herr K. in Berlin an einer Demonstration teil. Die Magdeburger Polizei ruft ihn auf dem Handy an und bittet um seine Zeugenaussage. Er sagt, er sei in Berlin. Die Beamten wollen seine Rückkehr nicht abwarten und fahren dorthin, um ihn zu treffen und seine Aussage aufzunehmen. Zum Abschied stellen sie dem verblüfften Herrn K. eine Anzeigewegen Verstoß gegen die Aufenthaltsbeschränkung aus. Er hatte nämlich keine Verlassenserlaubnis, um nach Berlin zu fahren. Grundsätzlich war das für Herrn K. nichts Neues. Er ist selbstbewusst und will sich weder gängeln lassen, noch von Almosen leben. So hat er während des Asylverfahrens offensiv vertreten, auch ohne Genehmigung zu arbeiten und zureisen. Seine Auflagen wurden immer strenger, bis er einer täglichen Meldepflicht in der Sammelunterkunft nachkommen musste. Es wurde auch überprüft, ob er dort übernachtet. Wenn er nachts außer Haus blieb, meldete ihn die Heimleitung bei der Ausländerbehörde ab. Die Unterkunft ist videoüberwacht.

Recherche: Beate Selders