Zuletzt an der ‚Residenzpflicht‘ gestorben

1. April 2009 | Kategorien: Fälle | drucken

Thüringen

Quelle: Antirassistische Initiative Berlin. Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen. 16. Auflage

Im Krankenhaus von Neuhaus am Rennweg stirbt der 43-jährige Armenier Robert Weniaminov. Er war 2001 mit seiner Mutter, seiner Frau und drei Kindern über Rußland in die BRD eingereist. Die Familie wird in das Sammellager Katzhütte eingewiesen und ist über die nächsten Jahre zum Nichtstun verurteilt. Die Ehefrau bekommt paranoid-depressive Störungen, Robert Weniaminov beginnt exzessiv zu trinken.

2004 muss er das erste Mal in stationäre Behandlung. Seine Ärztin empfiehlt2007 dringend die Unterbringung in einer Spezialklinik in der 40 Kilometerentfernten Stadt Suhl. Da der Weg dorthin zwei Landkreisgrenzen kreuzt, hätte seine Familie ihn wegen der ‘Residenzpflicht’ nur selten besuchen können. Diese Vorstellung ist für den Kranken unerträglich. Er lehnte die Therapie ab, die Familie stellt einen Antrag auf Umverteilung nach Suhl. Zwei Monate später stirbt Robert Weniaminov.

Recherche: Beate Selders